MYBERGTOUR'S FINEST

Foto Speedy Füllemann

Klettern im Eldorado | Grimsel

goldige Plattenfluchten in traumhafter Umgebung

Mindestens einmal in seinem Kletterleben sollte man das Eldorado besuchen und Hand an diesen weltbekannten Gletscherschliffplatten anlegen. Denn im Eldorado kommen viele Qualitäten zusammen: ein atemberaubendes Setting, über 500m mächtige Plattenfluchten, ein Granit höchster Güte sowie viel Klettergeschichte. Das Gebiet liegt in einer atemberaubend schönen Umgebung, welche von einem starken landschaftlichen Kontrast geprägt wird. Der Grimselsee und die liebliche Vegetation lassen auf der einen Seite beinahe Strand-Stimmung aufkommen. Auf der anderen Seite verleihen die vergletscherten Berner Alpen mit der mächtigen Lauteraarhorn Nordwand dem Ambiente eine hochalpine Note. Eine einzigartige Mischung. 

Die Kletterei im Eldorado ist Old School, geprägt von technischen Platten, Rissen und Verschneidungen, wobei die Ersteren überwiegen. Hier helfen weder starke Finger noch ein dicker Bizeps, sondern präzises Antreten, Gottvertrauen in die Füsse und ein gutes Bewegungsfgefühl. Nicht selten darf man dieses hoch oberhalb des letzten Hakens an den Fels respektive auf die Platte bringen. Nach längerer Plattenabstinenz können sich so bereits Längen im vierten Grad erstaunlich anspruchsvoll anfühlen. Dies ist bereits zahlreichen Aspiranten so ergangen, egal ob aufstrebende Nachwuchstalente, gestandene Kletterer oder Bergführer. Doch die Vertrautheit kommt mit der Übung bald wieder zurück und man tänzelt sie wieder hoch, die glatten Platten.

Die Linien im Eldorado sind ästhetisch, wie von Hand gezeichnet. Der Fels leuchtet goldig und die Touren sind lang. Entdeckt und entwickelt haben das Eldorado praktisch im Alleingang die unermüdlichen Gebrüder Rémy. Anfänglich sogar ohne Bohrmaschine, minimal ausgerüstet mit einem Bohrmeissel, Hammer, Schlaghaken und einfachen mobilen Sicherungsgeräten wagten sie sich in die Wandfluchten. Ihre Leistung verdient grössten Respekt. Im Verlauf der Jahre kamen in vielen Routen Bohrhaken dazu, der Charakter der meisten Touren ist jedoch nach wie vor ernsthaft geblieben.

Zu- und Abstieg Eldorado


Zustieg in ca. 1:45h entlang des wunderschönen Hüttenwegs zur Lauteraarhütte, welcher unter dem Eldorado durchführt. Der Abstieg verläuft ostseitig des Felsdoms über Wegspuren und Steinmänner. Nichtsdestotrotz kann man sich verlieren. Nach dem ersten Drittel bestehen zwei Varianten: links eine Rinne abklettern oder rechts kurz abseilen. Ca 45’ h bis zum Hüttenweg. 

Highlights im Eldorado

Motörhead | 16SL | 550m | 6b (6a+ obl)

Gebrüder Rémy 81, saniert 03, 11

 

Motörhead war die erste Tour im Eldorado und gehört heute warscheinlich zu den bekanntesten Kletterrouten im gesamten Alpenraum. Ohne Zweifel bietet Motörhead schönste Kletterei entlang einer grossartigen Linie. Die Tour folgt einem logischen Verschneidungs- und Risssystem und fordert neben Riss- und Piazletterei auch präzises Schleichen über die typischen Grimselplatten ab. Die Absicherung ist mehrheitlich ok und kann oft mobil ergänzt werden, dennoch gibt es Platttenstellen, wo ein Sturz böse enden könnte. Zu den Highlights von Motörhead gehören

 

  • L3 / 6a+ wunderbare, ästhetische Rissverschneidung

  • L6 / 5c äusserst lohnende Platten-, Riss- und zum Schluss Verschneidungskletterei

  • L7 / 6a etwas runde, dennoch sehr lohnende Piazverschneidung 

  • L12 / 6a wunderbar und vielseitig mit einer steilen Verschneidung, Dachquergang und Riss zum Schluss

 

Grosse Namen und mässige Schwierigkeiten ziehen die Massen an. Nicht selten trifft man in Motörhead auf Aspiranten, die sich ziemlich überfordert und insbesondere im Schneckentempo die einzelnen Längen hochkämpfen und hinter sich einen regelrechten Stau verursachen. Leider sind es gerne diese Seilschaften, welche bereits in aller Herrgottsfrüh am Einstieg stehen. Man entwerfe also einen noch früheren Plan, reise unter der Woche oder mit einer Portion Geduld an.

Septumania | 16 SL | 550m | 6a+ (6a obl)

Gebrüder Rémy 91, saniert 11

 

Eine glatte Platte von unten erstzubegehen, weit über den letzten Haken zu steigen ohne zu Wissen, was einen erwartet, ohne zu wissen, ob Möglichkeiten zum Cliffen kommen, ist eine grosse Leistung. Ganz bestimmt waren die Gebrüder Rémy Meister dieses Stils, was sie unter anderem in Septumania beweisen. Obwohl die Tour gerade im oberen Teil mehrheitlich den Platten folgt, bleibt sie abwechslungsreich. Nach der aussergewöhnlichen Gletscherrinne am Anfang von Septumania folgen einige eindrückliche Verschneidungslängen. Anschliessend folgt Septumania den scheinbar glatten Platten. Die Kletterei geht gut auf, bleibt jedoch spannend, insbesondere auch die Absicherung. Liebhaber dieses Stils kommen hier voll auf ihre Kosten. Eine solide Vorstiegsmoral, einen starken Vorsteiger oder Bergführer sollte man in Septumania von Vorteil mit dabei haben.

Metal Hurlant | 15 SL | 550m | 6b (6a+ obl)

Gebrüder Remy 1982, saniert

 

Ein weiterer Eldorado Klassiker, welcher filigrane Plattenkletterei abfragt. Wie schwierig sich doch bereits eine 4er Platte ohne Übung anfühlen kann… Die Highlights der Tour sind die Rissverschneidungen im mittleren Teil von Metal Hurlant. Dabei ist insbesondere L7 / 6b hervorzuheben. Eine enge, v-förmige Verschneidung mit Kamincharakter, die über weite Teile selber abgesichert werden darf. Was für eine Linie!  Die Absicherung von Metal Hurlant ist nach mehreren Sanierungen als gut zu bezeichnen, wenn auch der Rost an den älteren Haken und an den Nerven des Vorsteigers nagen kann.